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Damen 1

Verena packt den Spagat

Wochenende für Wochenende: Pendel zwischen Vaterstetten und Erlangen

01.02.2020 | von Wilfried Gillmeister


Thumb 190922 ingolstadt verena taenzler2 jwg Ist die Lücke noch so klein, Verena wirft ins Tor hinein (Fotos:jwg)

Vaterstetten – Am Sonntag wird in der Sporthalle vom Gymnasium Vaterstetten um 15:30 Uhr das Handball-Landesligaspiel der Damen vom TSV Vaterstetten gegen SG Biessenhofen/Marktoberdorf angepfiffen. Auf Vaterstettener Seite ist die 21jährige Verena Taenzler dabei. Sie ist in Vaterstetten aufgewachsen, spielt aber seit ihrem studienhalber vollzogenen Umzug mit Erstspielrecht bei dem eine Klasse höher agierenden Bayernliga-Meisterschafts-Kandidaten HC Erlangen. Letzte Woche gewann sie in Erlangen mit dem HCE-Team gegen TSV EBE Forst-United, um am nächsten Tag in Ingolstadt für ihren Heimatverein Vaterstetten mit Zweitspielrecht die Pluspunkte einzusammeln. Wie sie diesen Spagat – Handball-Heimat in Oberbayern und in der fränkischen Handball-Hochburg Erlangen – bewältigt, darüber sprach die EZ mit Verena Taenzler.
EZ: „Wie sieht dein Alltag in Franken aus“?
Verena Taenzler: „Mein Studienplatz ist von Montag bis Freitag in Nürnberg. Ich wohne mit zwei netten Mädels in einer Nürnberger WG“.
EZ: „Warum hast du dich sportlich für HC Erlangen entschieden“?
Verena Taenzler: „Ich habe mich beraten lassen. Das war gut so, denn der Saisonverlauf bestätigte die Richtigkeit. In Erlangen habe ich einen Topverein mit professionellen Strukturen gefunden“.
EZ: „Wie hoch ist dein Trainingsaufwand?“
Verena Taenzler: „Training ist drei Mal pro Woche beim HCE, einmal mehr als in Vaterstetten. Montags haben wir Athletiktraining mit intensiver Konditionsarbeit, donnerstags spielen wir viel und haben ein auch spezifisches Wurftraining. Freitags ist unser Training eher entspannt, da wir ja samstags immer Spiel haben. Da machen wir vor allem Torwart und Taktiktraining“.
EZ: „Was ist von den Zeiten abgesehen anders als beim TSVV“?
Verena Taenzler: „Da gibt es schon signifikante Unterschiede, da ist eine stärkere Physis vorhanden, auch wenn nur eine Liga Unterschied ist. Beim HCE wird viel schneller gespielt und auch härter. Auch wird großer Wert auf Ballsicherheit gelegt. Insgesamt ist das Spiel viel individueller. Wir haben eine gute erste und zweite Welle, aber auch beim Positionsangriff gibt es viele Varianten. Abgeräumt wird über alle Positionen. Der Rückraum ist stark, jeder kann 1:1 spielen und alles mitgehen“.
EZ: „Wie war für dich der Einstieg“?
Verena Taenzler: „Das stellte mich natürlich vor eine neue Herausforderung, macht mir aber auf jeden Fall viel Spaß und ich habe auch das Gefühl, mich dadurch weiterzuentwickeln“.
EZ: „Wie sieht es mit Spielanteilen für dich aus“?
Verena Taenzler: „Bis jetzt war ich ab meinem Einstieg in fast jedem Spiel aufgestellt. Der Kader hat 17 Spielerinnen, 14 dürfen spielen. Ich hoffe, dass das so bis zum Saisonende bleibt. Die Entscheidung liegt bei Trainer Attila Kardos. Ich bin zufrieden mit meinen Einsätzen. Klar, ich würde gerne noch ein wenig mehr spielen. Der HCE ist sehr stark und breit aufgestellt, vor allem im Rückraum sind wir viele“.
EZ: „Schaffst du mit Erlangen Meisterschaft und Aufstieg“?
Verena Taenzler: „Wir wollen natürlich alle Spiele gewinnen. Wir hätten es in der Hand, wenn die Revanche gegen Würm-Mitte in eigener Halle gelänge. Noch ist es aber kein Gesprächsthema.“
EZ: „Wie schaffst du den Spagat, für zwei Mannschaften zu spielen“?
Verena Taenzler: „Ich fahre stets mit der Bahn. HCE spielt samstags. TSVV meist sonntags. Bei Überschneidungen hat HCE Priorität. Diesen Samstag bin ich mit dem HCE beim TSV Winkelheid, Sonntag freue ich mich aufs Heimspiel mit den TSVV-Vögeln. Das Pendeln ist schon anstrengend. Es bleibt nicht viel Zeit für anderes am Wochenende. Es macht in beiden Teams viel Spaß, also mache ich es gerne. Ich bin immer mit meinen Freunden und mit meinem Hobby, also eigentlich eine gute Kombination. Meine Brüder würde ich allerdings gerne öfter sehen. Aber sie fiebern online bei jedem Spiel mit“.
EZ: „Und wie geht‘s weiter“?
Verena Taenzler: “Ich habe in Erlangen viel gelernt und viele Erfahrungen gesammelt. Es macht so viel Spaß mit den Mädels beim HCE. Ich freue mich aber auch immer wieder nach Hause zu den TSVV-Vögeln zu kommen. Die Freundschaften fehlen mir. Diese Saison ziehe ich so durch. Jetzt wollen wir mit bester Aufstellung am Sonntag gegen die SG aus dem Allgäu das Rückspiel gewinnen. Die Mannschaft ist komplett und wir können den fünften Platz erreichen. Daran hat vor 6 Wochen noch keiner geglaubt“.

Das Gespräch führte Wilfried Gillmeister

Mit freundlicher Genehmigung der Ebersberger Zeitung - Münchener Merkur