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"Es darf keine Tabus geben"

DHB-Vizepräsident und BHV-Präsident Georg Clarke über die Corona-Krise und die Lösungen danach

27.03.2020 | von Wilfried Gillmeister


Thumb georg clarke mit slogan 480 Georg Clarke ist für Flexibiltät und Fairness in der Auslegung von Ordnungen

„Die Corona-Krise ist eine Aufgabe, die wir gemeinsam bewältigen müssen. Das verlangt von uns allen Einschränkungen, die wir mit Blick auf die Eindämmung des Coronavirus und die Gesundheit aller auf uns nehmen. Wir haben Verantwortung füreinander. Sportliche Prioritäten müssen im Moment klar hintenanstehen“, sagt Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handballbundes.

Ein großer Unterstützer an seiner Seite ist der aus Bad Tölz stammende Georg Clarke, seines Zeichens DHB-Vizepräsident und Präsident des Bayerischen Handballverbands (BHV), hier als „Primus inter pares“ von über 94000 Handballern in über 500 Sportvereinen. Die Ebersberger Zeitung sprach mit ihm über die aktuelle Lage und Zukunftsszenarien.


EZ: Wie war Ihre erste Reaktion, als die politische Entscheidung zur Schließung der Schulen und Sporthallen bekannt wurde?“

Clarke: „Der Handballverband war sehr dankbar über die schnelle Entscheidung der Regierung, da wir bereits 1 Tag vorher alle Aktivitäten im Handball in Bayern eingestellt haben. Bei dieser Entscheidung haben wir uns eng abgestimmt mit den Sportarten Volley- und Basketball, sowie allen Landesverbänden im Handball.

Dabei haben wir unseren Vereinen empfohlen auch den Sportbetrieb in den Hallen vorsorglich der weiteren Entwicklung einzustellen.

Dieser Schritt ist uns nicht leichtgefallen, ist aber in der jetzigen Situation die richtige Entscheidung gewesen, auch um frühzeitig in Sinne der Verantwortung und Fürsorge für unsere Mitglieder Verantwortung und Klarheit zu zeigen“.


Thumb georg clarke mit ball 480 Ceorg Clarke: immer nah am Handball

EZ: „Wir leben in einer Zeit eigener dynamischer Entscheidungen. Der DHB hat indessen für die 1.und 2. Bundesliga der Frauen den Abbruch der Saison mit entsprechenden Konsequenzen erklärt. Wie stark ist Ihre Hoffnung, die Saison mit den 4-6 offenen Spieltagen in den Ligen der Erwachsenen-Mannschaften zu Ende zu bringen?“

Clarke: „Der Handballverband arbeitet eng mit der Taskforce Spielbetrieb des DHB zusammen. In der Taskforce sind die Vertreter der Bundesligen Frauen und Männer, der Jugend-Bundesliga, der 3. Ligen und der Landesverbände.

Ziel der AG ist die Erstellung von allen möglichen Szenarien für eine Wiederaufnahme oder Wertung des Spielbetriebs 2019-2020, nach Möglichkeit unter gleichen Bedingungen in Deutschland unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Faktoren im Bereich der Bundesligen und der 3.Ligen, sowie die Entwicklung der Szenarien für 2020-2021 für die Zusammensetzung der Ligen, inklusive der Besonderheiten für den Bereich Jugend."

EZ: "Das heißt?"

Clarke: Bei allen Szenarien stehen die sportlichen und wirtschaftlichen Faktoren für alle Organisationen im Vordergrund. Auch wollen wir je nach zeitlicher Entwicklung schnell reagieren können und Transparenz und Klarheit für unsere Vereine präsentieren.

Parallel hat auch der Bayerischer Handball Verband eine Taskforce einberufen, die in wöchentlichen Videokonferenzen mögliche Modelle zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs, bzw. Spielbetrieb 2020-2021 erarbeitet, auch mit dem Prämisse, schnell im Sinne der Vereine handeln zu können, sowie den sportlichen Erfolg der jetzigen Saison nicht zu vergessen.“

EZ: „Die Konsequenzen können je nach Ligen-Niveau unterschiedlich sein. Wird es Ligen-Aufstockungen geben?“

Clarke: „Wie bereits gesagt, erarbeiten wir unterschiedlichste Modelle, auch umso sportlich fair als möglich in eine neue Saison starten zu können. Dabei darf es keine Tabus geben und auch keine engstirnigen Auslegungen von Ordnungen, sondern ein hohes Maß an Flexibilität und sportlicher Fairness für unsere Mitglieder.“

EZ: „Die Jugend hatte bisher nach Abschluss der Saison mit den neuen Jahrgängen stets eine zeitlich teils aufwändige Qualifikation gespielt. Welche Möglichkeiten sehen Sie dafür hinsichtlich der vermutlich knapp werdenden Zeit bis zu einem Saisonbeginn?“

Clarke: „Persönlich glaube ich, dass die Qualifikation in der jetzigen Situation unseres Sports überbewertet wird. Ich bin überzeugt, dass wir zusammen mit unseren Vereinen Möglichkeiten zur Zusammenstellung der Ligen in der Saison 2020-2021 finden werden.

Ich denke, die Handball-Familie in Bayern war bereits in der Vergangenheit sehr kreativ und wird dies jetzt erst recht sein. Ich glaube, dass wir im Sport in der jetzigen Situation durch unsere Geschlossenheit und unsere gemeinsame Zielstellung Vorteile haben.“

EZ: Zum Abschluss soll auch eine Frage zu frischen Erfolgen erlaubt sein. Die Sichtungsveranstaltung des Deutschen Handballbundes Anfang März in Heidelberg war aus bayerischer Sicht für die weibliche als auch männliche Jugend sehr positiv. Ist das schon der Lohn für die intensive Sichtungsarbeit?“

Clarke:“ Danke auch die Frage außerhalb der jetzigen Krise. Ja, der Handball in Bayern entwickelt sich durch seine Mitglieder derzeit sehr gut.

Zum einen durch seit kurzem steigende Mitgliederzahlen, sowie auch einer Steigerung der Leistungen seiner Talente, aber auch Vereine z.B. TuS Fürstenfeldbruck 3.Liga, TSV Allach JBL, ESV Regensburg, TSV Haunstetten, HCD Gröbenzell, HC Erlangen, HC Coburg, DJK Rimpar und auch die Jugendarbeit der Vereine im Landkreis Ebersberg.

Ein Erfolgsfaktor der jetzigen Entwicklung ist dabei sicherlich der immer nachhaltige Erfolg der Weltmeisterschaft in München im Winter 2019, ausschließlich ein Erfolg aller Mitglieder der Bayerischen Handball Familie.“

EZ: Es brennt Ihnen noch etwas auf der Zunge!“

Clarke:(lacht)“ Gut beobachtet! Noch ein paar abschließende Bemerkungen: Der Bayerische Handball Verband bietet allen Vereinen auf seiner Homepage (Anm. der Red.:www.bhv-online.de) in Rundschreiben und sozialen Kanälen seine Hilfe an, als da wären Sportprogramme für die Kinderbeschäftigung, Angebote der Unterstützung im Bereich finanzielle Einbußen und Personalanstellungen, transparente Informationen zur Krise Corona mit Auswirkungen für den Sport vom DHB, BLSV und BHV

Großer Dank gilt auch für die vielfältigen Angebote unserer Vereine und seiner Mitglieder, die Gesellschaft und dabei besonders Betroffene in der jetzigen Situation durch Angebote zu unterstützen, herausragend insbesondere die vielen Angebote der Einkaufsmöglichkeit für Betroffene. Dabei zeigt sich, der Sport und besonders Handball ist eine starke Community und wir werden die Krise gemeinsam überstehen. Wir -Gewinnen – Gemeinsam “


Das Gespräch führte Wilfried Gillmeister

Mit freundlicher Genehmigung der Ebersberger Zeitung / Münchener Merkur